Gesunde Darmflora für einen gesunden Körper

Darmflora, ein starkes Immunsystem und Gesundheit – Was haben diese Begriffe gemeinsam? Und wieso ist ein “Darm mit Charme” in aller Munde? Patrick Renner von www.vital-fit-und-gesund.de klärt Dich auf.

Wer an die körperliche Gesundheit denkt, dem mag zu allererst vielleicht einmal das Herz, die Lungen oder die Leber einfallen. Der Darm ist nicht unbedingt Gesprächsthema Nummer 1, doch sind er und die Darmflora ebenso wichtig, damit es uns im Alltag gut geht.

Tatsächlich beeinflusst unsere Darmflora nicht nur auf vielfältige Art und Weise den Körper, sondern sogar unseren Geist und unsere Stimmung.

Was ist die Darmflora überhaupt?

Die meisten Menschen wissen zumindest, dass der Darm eine große Rolle bei der Verdauung unserer Nahrungsmittel spielt und grob in zwei verschiedene Regionen unterteilt werden kann. Im Dünndarm werden vor allem noch leicht verdaubare Nahrungsbestandteile bearbeitet und ein Lebensmittel verbringt hier nur wenige Stunden. Im Dickdarm geht es dann etwas gemütlicher zu und die Nahrung wird gerne hin und her geschoben. Das ist an dieser Stelle notwendig, da auch schwerverdauliche Inhaltsstoffe nicht einfach weggeworfen werden sollen, sondern ebenso wichtig für unseren Körper sind.

Das ist allerdings nur eine bestimmte Tätigkeit des Darms, der in Wahrheit viele verschiedene Aufgaben für unseren Körper und unsere Gesundheit übernimmt. Denn unser Darm ist auch die Heimat von 10 bis 100 Billionen Mikroorganismen, die wir in Eukaryoten, Archaeen und Bakterien unterteilen und zusammen als Darmflora bekannt sind. Insgesamt beherbergt unser Darm also mehr Kleinstlebewesen als wir Körperzellen im gesamten Körper besitzen.

Die genaue Zusammensetzung dieser Lebewesen ist von Mensch zu Mensch verschieden. Als neugeborenes Kind besitzen wir erst eine geringe Anzahl an verschiedenen Sorten, sammeln aber bis wir erwachsen sind mehrere hundert bis tausend verschiedene Arten, die unseren Körper bei verschiedenen Funktionen unterstützen.

Aufgaben der gesunden Darmflora

Während der Dünndarm noch relativ schwach mit Mikroorganismen ausgestattet ist, ist besonders die Oberfläche des Dickdarms sehr dicht besiedelt. Der wenige Platz ist sehr kostbar und es gibt viele Bakterien und andere Lebewesen, die sich darum streiten. Das ergibt auch Sinn, denn so wird es schädlichen Bakterien oder Krankheitserregern bei einer intakten Darmflora von Vorneherein schwer gemacht, sich überhaupt erst im Darm aufzuhalten.

Dennoch passiert es immer wieder, dass verschiedene Viren, Bakterien oder Keime in unseren Organismus kommen und bekämpft werden müssen, bevor diese Schaden anrichten können. Dazu befinden sich etwa 80% der körpereigenen Abwehrzellen des Immunsystems im Darm. Gerade die gutartigen Darmlebewesen arbeiten dabei eng mit diesen Zellen zusammen und können ihnen wertvolle Informationen über die unerwünschten Eindringlinge liefern.

Auch an der Verdauung sind diese nützlichen Helfer beteiligt und ermöglichen es dem Körper überhaupt erst, bestimmte wichtige Mineralstoffe und Vitamine selbst zu bilden bzw. aus einem Nahrungsmittel zu lösen. Andernfalls könnte unser Bedarf an Magnesium, Calcium und Eisen genauso wie die Vitamine K und B12 nicht gedeckt werden können.

Des Weiteren befinden sich im Darm etwa 200 Millionen Nervenzellen, die in ihrer Gesamtheit als enterisches Nervensystem bezeichnet werden. Von der Größe her ist das vergleichbar mit dem Gehirn eines Kleintiers. Tatsächlich sind diese Zellen denen unseres eigenen Gehirns im Aufbau und der Funktion so ähnlich, dass viele Wissenschaftler von einem zweiten Gehirn im Darm sprechen.

Negative Emotionen und Stress sorgen nicht nur sprichwörtlich für Bauchschmerzen, denn durch die ständige Kommunikation zwischen Darm und Gehirn sind fehlender oder erhöhter Hunger oder Verdauungsprobleme ein paar der auftretenden Symptome, wenn es uns gerade nicht gut geht.

Besonders in den letzten Jahren haben Wissenschaftler immer mehr herausgefunden, dass diese Kommunikation auch in beide Richtungen abläuft. So kann der Darm mit seinen Bewohnern auch unsere Emotionen, Gemütszustand und sogar Verhalten positiv und negativ beeinflussen. Eine Erkrankung des Magen-Darm-Trakts oder eine unausgeglichene Darmflora ist dann plötzlich kein lokales Problem mehr, sondern könnte sogar ein Auslöser für Angstzustände oder Depressionen sein.

Unsere Darmflora ist also nicht nur für unser körperliches, sondern auch für unser geistiges Wohl mitverantwortlich. Eine gesunde Darmflora kann uns bei vielerlei Aufgaben unterstützen und uns gesund halten. Was aber, wenn die Darmflora auf einmal aus dem Gleichgewicht gerät?

Schädigung der Darmflora

Unsere Darmflora ist ein komplexes System, das auf viele Einflüsse reagieren muss und auch geschädigt werden kann. Wenn wir unsere Darmbewohner nicht ausreichend versorgen oder sie durch eine einseitige Ernährung und einen ungesunden Lebensstil schwächen, können viele Aufgaben nicht mehr von ihnen erfüllt werden.

Anzeichen einer geschädigten Darmflora sind vor allem Verdauungsprobleme wie Durchfall, Verstopfungen oder Bauchkrämpfe. Sind die gutartigen Mikroorganismen einmal geschwächt, fällt es Erregern leichter, das Immunsystem auszutricksen und sich im Darm anzusiedeln. Abgeschlagenheit und häufigeres Krankwerden können die Folge sein. Auch Vitamine und Mineralstoffe können nicht mehr so gut aufgenommen werden, was auf lange Sicht zu Unterversorgungen wichtiger Nährstoffe führen kann.

Wird auf Dauer nichts unternommen, können sich auch ernsthafte Krankheiten und chronische Entzündungen des Darms entwickelt. Die Ursachen einer solchen Schädigung sind vielfältig und hängen von der Person und ihrer Umwelt ab.

Antibiotika

Antibiotika werden in der Medizin gerne für bakterielle Entzündungen eingesetzt und sind in vielen Fällen dringend nötig. Doch werden sie heutzutage immer häufiger und teilweise unbegründet bei leichten Krankheiten verschrieben. Das Problem: Einem Antibiotikum fällt es schwer, zwischen Krankheitserreger und gutartigen Darmbakterien zu unterscheiden.

Durch die Einnahme dieser Medikamente werden verschiedene Bakterien abgetötet und es entsteht freier Platz auf der Darmoberfläche und zwar nicht nur für vorteilhafte Lebewesen.

Stress durch Leistungsdruck und Zeitmangel

Auch dauerhafter Stress und teilweise damit verbundene, belastende Emotionen schränken die Aktivität der Lebewesen ein und sorgen für eine durchlässige Darmflora. In der modernen Gesellschaft werden wir zunehmend zugedröhnt und nehmen uns immer weniger Zeit und Ruhe für uns selbst.

Mangel- oder Falschernährung

Ein wichtiger Punkt für unsere Darmflora ist die tägliche Ernährung. Diese kann unseren Darm sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Auch unsere Mitbewohner benötigen genauso wie wir Nahrung, die wir ihnen in Form von speziellen, langkettigen Kohlenhydraten, die wir mit dem Begriff Ballaststoffe bezeichnen, bieten. Sind diese Stoffe nicht ausreichend in unserem Speiseplan vorhanden, können die Mikroorganismen auf Dauer nicht überleben. Auch Pestizidrückstände oder stark übersäuernde Lebensmittel schränken die Darmfunktion ein.

Die Darmflora aufbauen

Wenn auch dir ein paar der Symptome bekannt vorkommen und du dich bei den Ursachen ertappt fühlst, kann ich dich beruhigen. In den meisten Fällen kannst du deinem Darm mit wenig Aufwand schon viel Gutes tun.

Auf Ausgleich achten

@ Anna Omelchenko from BigstockFoto

Jeder von uns ist mehr oder weniger oft mit Zeitdruck, Verpflichtungen und anderen stressigen Situationen konfrontiert und das ist in Ordnung, solange es nicht zum Dauerzustand wird. Genauso wichtig ist es aber auch, auf den nötigen Ausgleich zu achten. Das kann die Form eines angenehmen Treffens mit einer anderen Person, einem guten Buch oder einfach einem freien Abend ohne Termine haben.

Auch sportliche Aktivitäten und nachfolgende Ruhepausen sind sehr gut geeignet, den Körper zu fordern und ihn neu zu starten. Dabei ist es nicht einmal nötig, das nächste Fitnessstudio zu besuchen. Auch ein Spaziergang, eine Runde im Hallenbad oder eine kurze Fahrradtour können schon einen großen Unterschied machen.

Für eine ausgewogene Ernährung sorgen

Es gibt Lebensmittel, die unserem Darm einfach nicht besonders gut tun. Übersäuernde Lebensmittel wie Industriezucker, weißes Mehl, Milch, Fleisch, Kaffee, Schwarztee, Alkohol und Nikotin sollten nur in Maßen verzehrt werden.

Auf Seiten der Lebensmittel mit positiven Eigenschaften gibt es vor allem zwei eng miteinander verbundene Nährstoffe – Probiotika und Präbiotika.

Unter Probiotika verstehen wir gutartige Mikroorganismen, meist Bakterien, die man dem Darm zuführen kann. Das ist vor allem, aber nicht ausschließlich, während und nach einer Einnahme von Antibiotika von Vorteil, um sicher zu stellen, dass sich vor allem vorteilhafte Lebewesen im freigewordenen Darm ansiedeln können. Probiotika findet man vor allem in fermentieren Lebensmitteln wie (Soja-)Joghurt, Sauerkraut und Kefir, die unter Zugabe von (Milch-)Bakterien hergestellt werden.

Präbiotika sind Nahrungsbestandteile, die nur sehr schwer verdaulich sind. So kommen diese im Ganzen bis im Dickdarm an und dienen den dort lebenden Mikroorganismen als Nahrung. Es gibt verschiedene Präbiotika, wobei Inulin in der Natur die am häufigsten vorkommende Art ist und beispielsweise in Zwiebeln, Knoblauch oder Artischocken zu finden ist.

Beide Nährstoffe kann man in ausreichender Menge durch die Nahrung aufnehmen, wenn man ein wenig darauf achtet. Wer sich Sorgen macht oder einfach nur eine ausreichende Versorgung sicherstellen möchte, kann auch zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen. Mittlerweile gibt es sogar Kombinationen aus beiden Stoffen, sogenannte Synbiotika (siehe auch unseren Erfahrungsbericht), die die Vorteile von beiden Nahrungsbestandteilen miteinander verbinden.

– Fazit –

Der Darm und die Darmflora übernehmen viele verschiedene Aufgaben und sorgen dafür, dass es uns körperlich und geistig gut geht. Doch dieses komplexe System kann durch Umwelteinflüsse, Medikamente und unseren Lebensstil aus dem Gleichgewicht raten.

Warte am besten gar nicht erst, bis es soweit kommt und tu Dir und Deinem Darm etwas Gutes. Mit ein bisschen Aufmerksamkeit in der Ernährung und dem nötigen Ausgleich kannst Du schon Vieles erreichen.

Dein Patrick von www.vital-fit-und-gesund.de

Quellen:
Darmflora, Darm als zweites Gehirn